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26Jun/123

Ska-P – Intifada

Ich war letzte Woche mal wieder im wöchentlichen Beisl des hiesigen "AZ"s, alte Bekannte wieder treffen und so.

Oft verschlägts mich mittlerweile nicht mehr dorthin, aber hie und da ist es doch ganz nett, irgendwie.

Ja, irgendwie nur irgendwie.
Einer meiner Bekannten witzelt mit seinem Freund über den Sommer, wo alles strukturell antisemitisch war.
Die Katze, das Bett, ...
Warum er alles so genannt hat?
Weil er "strukturell antisemitisch" (gesagt hat er es mit ungefähr 15 Anführungszeichen) genannt wurde, in diesem Sommer.
Wegen seinem Ska-P Shirt.

Ich musste grinsen.
Und mir verkneifen ihm mitzuteilen, dass ich Ska-P (deren Shirt er natürlich auch an diesem Tag trug) eh auch nicht strukturell antisemitisch find, sondern nur antisemitisch.

Geht es in Streits um Ska-P, gehts um deren Lied "Intifada" - viel Jüd_innen-/Israelfreundliches kann sich hinter diesem Titel schonmal nicht verstecken.
Hier mal die Originallyrics auf Spanisch und eine deutsche Übersetzung.

Seis miliones de judios aniquilados de la forma mas crual
Un genocido imperialista por ejercitos fascistas, de la historia hay que aprender
Las victunas se han convertido en los verdugos se vuelven del reves
Colonizando territorios Palestinos, de nuevo atentando a la sensatez

MUERTOS MUERTOS EN NOMBRE DE QUIEN ?
MUERTOS MUERTOS DE ISRAEL DE YAVE
MUERTOS MUERTOS EN NOMBRE DE QUIEN ?
MUERTOS MUERTOS DE ISRAEL DE YAVE

Que harias tu si te echaran de tu casa sin derecho a rechistar
Pisoreando tu cultura, sumergido en la locura por perder la dignidad
Palestina esta sufriendo en el exilio la opulencia de Israël
Por un govierno prepotente, preparado para la guerra, por tu ya sabes quien

MUERTOS MUERTOS EN NOMBRE DE QUIEN ?
MUERTOS MUERTOS DE ISRAEL DE YAVE
MUERTOS MUERTOS EN NOMBRE DE QUIEN ?
MUERTOS MUERTOS DE ISRAEL DE YAVE

Piedras contra balas una nueva intifada en Cisjordania, Gaza o Jerusalem

QUIEN PODIA IMAGINAR ?
QUE DAVID FUESE GOLIATH
QUIEN PODIA IMAGINAR ?
QUE DAVID FUESE GOLIATH

Intifada, Intifada
Intifada, liberacion

No cunfundas mi postura, soy ateo y no creo en ningun dios
No diferencio a las personas por su raza, su cultura o su mierda de religion
Solo cundeno el sufrimiento, la injustia y el abuso de poder
Palestina es sometida a la mas terca de las guerras, la opulencia de israël.

MUERTOS MUERTOS EN NOMBRE DE QUIEN ?
MUERTOS MUERTOS DE ISRAEL DE YAVE
MUERTOS MUERTOS EN NOMBRE DE QUIEN ?
MUERTOS MUERTOS DE ISRAEL DE YAVE

Piedras contra balas una nueva intifada en Cisjordania, Gaza o Jerusalem

QUIEN PODIA IMAGINAR ?
QUE DAVID FUESE GOLIATH
QUIEN PODIA IMAGINAR ?
QUE DAVID FUESE GOLIATH

Quelle: http://www.magistrix.de/lyrics/Ska-P/Intifada-29163.html

 

Sechs Millionen Juden wurden grausam vernichtet,
Ein imperialistischer Massenmord, von faschistischen Armeen ausgeführt
Lasst uns aus der Geschichte lernen
Die Opfer sind zu Henkern geworden, alles hat sich verkehrt,
Sie siedeln in palästinensischen Gebieten, wiedereinmal ohne jede Vernunft

Tote, Tote, in wessen Namen?
Tote, Tote, in Israel
Tote, Tote, in wessen Namen?
Tote, Tote, (in?) Yavé

Was würdest Du tun, wenn sie Dich aus Deinem Haus vertrieben, ohne das Recht sich zu Beschweren,
Auf deiner Kultur herumtrampelten, dich im Wahnsinn zurückliessen, ohne jede Würde?
Palästina leidet unter dem Reichtum Israels im Exil,
Einer arroganten und mächtigen Regierung, die bereit ist gegen Du-weisst-schon-wen Krieg zu führen,
Steine gegen Gewehre, eine neue Intifada in Cisjordania, Gaza oder Jerusalem

Wer hätte gedacht,
Dass aus David Goliath werden könnte?

Intifada, Befreiung!
Versteht mich nicht falsch, ich bin Atheist, glaube an garkeinen Gott,
Ich bewerte Menschen nicht nach Rasse, Kultur oder Religion,
Ich verurteile lediglich Leid, Ungerechtigkeit und Machtmissbrauch,
Palästina leidet unter dem schlimmsten aller Krige, der Ausbeutung durch Israel

Quelle: http://www.golyr.de/ska-p/songtext-intifada-476139.html

 

Ich kann selbst leider kein Spanisch und die Übersetzung ist auch nicht von mir - aber der übersetzte Text war in bisherigen Diskussionen nie der Streitpunkt.

Den Holocaust als "imperialistischen Massenmord" zu bezeichnen, find ich schonmal ungut und verstehe ich nicht.
Eklig (und meiner Meinung eben auch antisemitisch) wirds dann bei den Zeilen

Die Opfer sind zu Henkern geworden, alles hat sich verkehrt,
Sie siedeln in palästinensischen Gebieten, wiedereinmal ohne jede Vernunft

und

Palästina leidet unter dem Reichtum Israels im Exil,
Einer arroganten und mächtigen Regierung, die bereit ist gegen Du-weisst-schon-wen Krieg zu führen,

 

"Die Opfer sind zu Henkern geworden" vergleicht die Situation um Israel direkt mit dem Holocaust - "alles hat sich verkehrt"
Nein, es ist nicht so, dass Antisemitismus für Jüd_innen immer noch ein real existierendes (und existenzbedrohendes) Problem darstellt, nein nein.
Die Jüd_innen sind "wiedereinmal" (sic!) ohne jede Vernunft und stellen die Bösen dar, die Aggressoren.

Zu den zweiten Zeilen:
Israel, der reiche, arrogante und mächtige Staat.
Passend zu den reichen, arroganten, mächtigen Juden und Jüdinnen.

 

Im Jahr 2003 hat das Lied übrigens schon die Gruppe La Banda Vaga in einem offenen Brief kritisiert - die Diskussion um den Text ist also auch schon nicht mehr neu.

 

Nein, für mich stellt sich wirklich nicht die Frage, dass Ska-P antisemitisch sind - ihre Meinung zeigen sie in "Intifada" relativ deutlich.
Und nein, ich find nicht jede Person mit Ska-P-Shirt antisemitisch.
Bei "normalen" Menschen auf der Straße geh ich nicht davon aus, dass sie die Texte wirklich verstehen und sich damit beschäftigen.
Bei Menschen im linksradikalen Spektrum würd ich mir schon eher erwarten, dass eins sich mit den Texten einer Band beschäftigt, von denen eins ein T-Shirt trägt.
Wenn angeblich reflektierte Menschen dann jedoch darauf angesprochen werden und ihr Shirt trotzdem weitertragen, entweder mit dem Argument "Ja, das Lied is schon bissi komisch/antisemitisch, aber ich mag deren anderen Lieder" oder mit "Nein, Intifada ist nicht antisemitisch, die Juden sind antisemiten" (oder was auch immer), DANN wirds komisch.

Und lächerlich wirds, wenn sich solche Menschen darüber amüsieren, dass sie (oder ihr Shirt) strukturell antisemitisch genannt werden.
Aber ja, die Linke und Antisemitismus sind jetzt leider kein Neues Thema.

Kommentare (3) Trackbacks (0)
  1. Eine Kritik Israels mit einer Kritik an Juden im allgemeinen gleichzusetzen, zeugt meiner Meinung nach zumindest von einem sehr völkischen Gedanken. Nicht unbedingt von dir, du beschreibst hier ja nur eine Ist-Situation. Hm, komischer Einstieg, ich fang noch einmal von vorne an.

    Es stellt sich meiner Meinung nach bei der ganzen Israel-Problematik eine ganz bestimmte Frage in den Mittelpunkt: Mit wem will man sich aus welchen Gründen solidarisieren? Das alles ist ein zweischneidiges Schwert. Will man sich mit Israel solidarisieren, welches verfolgten Jud_innen eine Heimat bot und bietet? Dann solidarisiert man sich gleichsam mit einem Nationalstaat und mit einem Gottesstaat, welcher zudem noch ein anderes Volk für seine Existenz vertrieben hat und es heute unterdrückt. Wie linkspolitisch denkende Menschen sich überhaupt mit einem Nationalstaat solidarisieren können, wollte noch nie in meinen Kopf und das Schwenken von Nationalfahnen (egal ob Israel oder Deutschland) hat für mich doch oft einen sehr nationalistischen Charakter.
    Auf der anderen Seite stehen die Palästinenser, welche eben von ihrem ursprünglichen Lebensraum vertrieben wurden und das nicht so hinnehmen wollen. Diese Situation klingt doch (stark verharmlost und vereinfacht ausgedrückt) wie die Situation, in welcher sich einige Hausbesetzer_innen befinden: Sie werden (durch was auch immer) von ihrem eigentlichen Lebens- und Wohnraum vertrieben und wehren sich dagegen. Sonderlich viel kann ein linkspolitischer Mensch doch gar nicht gegen diese Forderung haben? Meiner Erfahrung nach richtet sich die Kritik oft gegen die Hamas, was ja sogar berechtigt ist. Die Hamas ist bescheuert. Aber meiner Meinung nach darf kein Mensch einen anderen unterdrücken, schon gar nicht in der Art und Weise, wie es die Israelis (ich spreche hier wohlgemerkt nicht von den „juden“, sondern von den Israelis) mit den Palästinenser_innen tuen. Ein Aufstand bzw eine Revolution dagegen (Intifada) halte ich darum grundsätzlich durchaus für gerechtfertigt.

    „oder mit „Nein, Intifada ist nicht antisemitisch, die Juden sind antisemiten“ (oder was auch immer), DANN wirds komisch.“
    An dieser Stelle möchte ich noch einmal auf diesen inflationären Gebrauch des Wortes „Antisemitismus“ in antideutschen Kreisen hinweisen. Wir müssen in diesem Konflikt überhaupt nicht von Antisemitismus ausgehen, niemand muss in erster Linie mit antisemitischen Grundsätzen handeln. Ich finde es gelinde gesagt zum kotzen, dass einem Menschen (also an dieser Stelle insbesondere mir) (struktureller) Antisemitismus vorgeworfen wird, wenn ich diverse Situationen kritisiere (wie beispielsweise eine_n Vergewaltiger_in, welche_r ja nur aus Motiven des Kapitalismus heraus handelt etc pp kotz).

    Dieser Blogeintrag scheint nicht auf mich als Zielgruppe zugeschnitten zu sein, mir bleiben sich hier nämlich mehrere Fragen unbeantwortet. Beispielsweise, was Antisemitismus in der Welt (welchen es ja durchaus gibt) mit Israels Außenpolitik zu tun haben soll.

    Mal gucken, ob hier noch ne Antwort kommt, der Post ist ja schon recht alt :).

    mit spalterischem Gruß. (hehe)

  2. Guten Morgen 🙂

    Die Frage, warum man Israel nicht kritisieren könne, ohne antisemitisch zu sein, hör ich sehr oft. Meistens sind das dann aber auch die Personen, die es tatsächlich nicht schaffen, Israel zu kritisieren, ohne antisemitisch zu sein.
    Generell halt ich es aber für durchaus möglich (und notwendig) die Politik Israels kritisch zu betrachten und Kritik auch zu äußern.

    Zum Beispiel finde ich die Verschärfung des israelischen Mediengesetzes daneben. (wahrscheinlich sogar extrem daneben, wenn ich mich da mal reinlesen würd)
    Legitime Kritik an Israel, ganz ohne Jüd_innenfeindlichkeit.
    Problematisch wird es für mich, wenn dass Mediengesetz deshalb kritisiert werden würde, weil die Israelis dies als ersten Schritt sehen würden, unliebsame Berichterstattung weltweit gegen sie zu verhindern – und irgendwann wollen sie alle Zeitungen kontrollieren.
    Dieser Vorwurf wäre für mich antisemitisch, obwohl nirgendwo das Wort „Juden“ vorkommt.
    Trotzdem spielt dieser Gedanke auf die jüdische Weltverschwörung an – ob man jetzt Israelis oder Juden einsetzt, kommt nur drauf an, womit man in der aktuellen Umgebung besser ankommt. Gemeint ist das selbe.

    Deutschland, Österreich und Israel sind nicht irgendwelche Staaten wie alle anderen, ihre Fahnen sind nicht einfach nur „Nationalfahnen“.
    Jeder Staat hat seine eigene Geschichte – und die von Deutschland und Österreich ist nunmal eine äußerst hässliche, deren Vernünftige Aufarbeitung bis heute auf sich warten lässt.
    An sowas muss ich denken, wenn wer diese Fahnen schwenkend spazieren geht.
    Mit einer israelischen Fahne drückt mein einfach etwas anderes aus (ich spreche hier jetzt mal nur von politischen Veranstaltungen – in nem Fußballstadion steckt wohl meist nur Nationalismus dahinter, da ist der Hintergrund wohl eher egal)

    In diesem Konflikt NICHT von Antisemitismus auszugehen, find ich sehr falsch.
    Es geht der Hamas nicht darum, dass da jemand in ihrem Land sitzt, sondern dass da Jüdinnen und Juden in ihrem Land sitzen.
    Ihr Antisemitismus verdeutlicht sich in der Gründungscharta von ihnen, in ihren Schulen/Universitäten, in ihrer Presse.

    Wenn du von „usprünglichen Lebensraum“ sprichst… das war auch mal der Lebensraum der Juden und Jüdinnen, bis sie vertrieben wurden.
    Wenn man nach einem „wer war zuerst da“ unsere heutigen Grenzen neu ziehen würde, hätte man aber überall was zu tun – manche hätten daraufhin gar keinen Lebensraum mehr.

    Von einem historischen Anspruch der Palästinenser_innen zu reden, funktioniert auch nicht so richtig. Palästina hat nie existiert.
    Es gab ein Osmanisches Reich, das nach seinem Zusammenbruch aufgeteilt wurde.
    Das heutige Israel wurde zum Mandatsgebiet von Großbritannien. Schon vor dem Holocaust gab es den Plan, den Jüd_innen in diesem Gebiet eine neue Heimat zu geben.
    Spätestens ab dem Holocaust war klar, dass Jüd_innen auf einen eigenen Staat (einen Zufluchtsort, aber auch vor allem ein Militär) angewiesen sind: es wurde von der UN-Generalversammlung abgestimmt und das Gebiet in einen jüdischen und einen arabischen Staat geteilt.
    (Von diesem historischen Anspruch der Palästinenser_innen hast du aber eh nicht geschrieben :))

    Wenn Palästina die Unterdrückung durch die Israelis beenden will, sollten sie erstmal die Hamas beseitigen – mit einer Partei, die die Zerstörung Israels und der dort wohnenden Jüd_innen wünscht, lässt sich schwer reden.
    Aus diesem Grund bin ich schon der Meinung, dass die Intifada gegen Jüd_innen, nicht gegen Israel gerichtet war.

    Wenn man dir strukturellen Antisemitismus vorwirft, wird man dir keinen Antisemitismus vor – sondern eben strukturellen Antisemitismus. Meiner Meinung nach zwei verschiedene Begriffe (deshalb heißen sie auch verschieden ;))
    Ob da was dran ist, kann ich jetzt aus deinem Kommentar schwer nachvollziehen.
    Wie meinst du das, dass Vergewaltiger nur aus Motiven des Kapitalismus handeln würden? (hier seh ich nämlich keinen strukturellen Antisemitismus – daneben find ich diese Aussage aber schon)

    Zur Zielgruppe: ich hab mich an keinen gerichtet, dieser Blog war eigentlich nur Zeitvertreib – hätte nicht gedacht, dass den hier wer liest 😉
    Darf ich fragen, wie du hier her gefunden hast? 🙂

    Grüße!

    Nachtrag: Achja, ich hatte in diesem Blogsystem zwei freizuschaltende Kommentare von dir, die auf den ersten Blick identisch zu sein scheinen – unabsichtlich oder Fehler des Blogs?
    Wenn irgendwas fehlt, was im anderen Kommentar drinnen wär, sag Bescheid – ist noch nicht gelöscht 🙂

  3. Hm, erst mal die nicht thematischen Sachen klären:

    Der Blog war auf der ersten Seite, als ich nach „Ska-P Intifada“ bei google gesucht habe, so bin ich drauff gestoßen. 🙂 Und da google (unter anderem) danach geht, wie oft eine Seite woanders verlinkt wurde, scheint dein Blog ja gar nicht mal so unbekannt zu sein?;)

    Das mit dem doppelten Post ist ein Fehler des Blogs, weiß auch nicht, wie das zustande kam.

    Das mit dem struturellen Antisemitismus hat folgenden Hintergrund: Ich arbeite viel mit Anti-Ds zusammen (wie auch mit Anti-Imps und allem anderen kram, weil ich dieses Gespalte fürchterlich finde) und dabei kamen wir zu einer Diskussion, in welcher ich einzelne Punkte innterhalb des kapitalistischen Systems kritisiert habe (zB das Bankenwesen und damit verbunden die Bänker). Daraufhin kam mir gegenüber der Vorwurf, dass diese Kritik eine verkürzte Kapitalismuskritik ist, weil die jeweiligen Bänker_innen ja nur aufgrund des Kapitalismus so handeln und man ihnen damit nicht zum Vorwurf machen kann, was sie tuen (was ich im Übrigen für quatsch halte…). Dies wurde in einer langen Diskussion verallgemeinert, dass es grundsätzlich falsch ist, einzelne Personen zu kritiseren, da sie nur aufgrund des Kapitalismus so handeln. Eine Kritik dieser Personen wurde dann als strukturell antisemitisch erklärt, weil ich ja der Argumentation des Antisemitismus folge. (ich finde übrigens den Begriff „strukturell antisemitisch“ ziemlich bescheuert, weil ich damit etwas mit dem Begriff des Antisemitismus brandmarke, was damit womöglich gar nix zu tun hat). Da nach Meinung der gemeinten Personen in meinem Umkreis auch Vergewaltigungen, Kindesmissbrauch etc nur ein Produkt des Kapitalismus ist, folgt diese Argumentation genauso auch ihnen. Und es ist natürlich sinnlos, etwas gegen diese Dinge zu unternehmen, ohne gleichzeitig auch etwas gegen den kapitalismus zu unternehmen (weshalb die Anti-Ds in meinem Bekanntenkreis auf fast keine Demos gehen und auch sonst nicht aktiv sind, solange es sich nicht gegen den Kapitalismus richtet, was dann dafür sorgt, dass Nazis hier ungehindert marschieren etc). Das ist übrigens auch der hauptsächliche Grund, warum ich mit AntiDs gar nix anfangen kann (das mit Israel mag ein Streitpunkt sein, aber ich verstehe hier einfach alle Seiten, die der Israelis und der Palästinenser_innen). So, genug am Thema vorbei geschrieben!

    Antisemitismus (insbesondere in der verschwörungstheoretischen Ecke) sehe ich auch in der Linken ziemlich häufig und finde ich natürlich total bescheuert. Mit dem Mediengesetz habe ich mich zB nicht auseinander gesetzt, denke aber, dass ich dir da wohl zustimmen würde. Wenn man Israels Regierung betrachtet, ist das ohnehin eine sehr unsympathische Regierung. Meine Kritik richtet sich an dieser Stelle allerdings gar nicht so besonders auf die Regierung (immerhin ist Israel ein demokratisch legitimierter Staat und dementsprechend entscheiden die Bürger_innen selbst in gewisser Weise über ihre Regierung, inwieweit man die Parteiendemokratie auch befürworten oder ablehnen will). Meine Kritik richtet sich an den Staat Israel als solches und die damit verbundene Repression gegen die Palästinenser_innen. Wohlgemerkt will ich gar nicht, dass die Palästinenser_innen ihren eigenen Staat gründen, meine Kritik würde schon gegen 0 verebben, wenn die Repressionen dort aufhören würden.
    Zum Antisemitismus der Palästinenser_innen: Ja, der ist da, allerdings ist auch die Frage nach dem Ursprung wichtig. Warum ist dieser Antisemitismus denn dort so verbreitet? Ich denke, auch dies ist ein Produkt der Repressalien, unter denen sie dort leiden und eben dieser unreflektierte Reflex, dafür die Juden zu beschuldigen. Das Wort Sozialisation passt hier glaube nicht perfekt, aber was besseres fällt mir nicht ein. Soll heißen, würden wir Deutschen uns dort unten breit machen und zwar auf die Art und Weise, wie es die Israelis tuen, würden wir den Hass ernten. (Ich weiß, dass es bei der Gründung unterschiede gäbe etc, aber dies ist für die Palästinenser_innen ja gar nicht wichtig, denen geht es so oder so nicht besser).

    Die Hamas ist ziemlich verachtenswert, volle Zustimmung. Die Hamas ist aber auch ein Produkt des Radikalisierungsprozesses, sie war ja nicht dauerhaft an der Macht.

    Einen historischen Anspruch auf das Gebiet hat niemand, weder die Israelis, noch die Palästinenser_innen, noch sonst wer.
    „Verflucht sei Der erste, der ein Stück Land mit einem Zaun umgab und auf den Gedanken kam zu sagen „Dies gehört mir“ und verflucht seien jene, die einfältig genug waren, ihm zu glauben, denn sie haben vergessen, dass zwar die Früchte allen, aber die Erde niemandem gehört“ – frei Zitiert nach Rosseau

    Und zu den Nationalflaggen: Auch mit einer israelischen Fahne propagiert jemensch einen Nationalstaat, er unterstützt ihn sogar. Dabei geht es doch bei Nationalfahnen nie um die Vergangenheit, sondern um das hier und jetzt. Deshalb tragen Nazis ja auch kein Schwarz – rot – gold, weil sie ja gar nicht an die BRD glauben, sondern sie tragen schwarz – weiß – rot.

    *bwaah, die Texte werden immer länger* :).


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